Dass der erste Entwurf eines Buches immer mies ausfällt, wusste schon Ernest Hemingway.1 Aber wie können Selfpublisher:innen auf dem Weg zum fertigen Roman selbst das Beste aus dem Manuskript herausholen? Ein genauer Fahrplan und 6 Profi-Tipps helfen dir beim Perspektivenwechsel.
Mit kostenloser Checkliste zum Download.
Inhalt
- Warum (vor-)lektorieren?
- Der richtige Zeitpunkt fürs Lektorat
- Die Perspektive wechseln
- Fahrplan für dein Lektorat
- Deine Checkliste

Am Endes des Artikels findest du die kostenlose Checkliste zum Download.
Mit 50 Fragen zu Plot, Setting, Figuren, Szenen, Dialogen, Perspektive und Sprache.
Muss ich mein Manuskript (vor-)lektorieren?
Als Lektorin werbe ich dafür, dass Selfpublisher:innen ihr Buch professionell lektorieren lassen. Nicht nur, weil ich meinen Job liebe und vier Augen bekanntlich mehr sehen als zwei. Das Handwerkszeug, das sich Sprachprofis über Jahrzehnte angeeignet haben, schleift dein Manuskript auch so, dass deine Geschichte bei den Leser:innen ankommt.

Trotzdem lohnt sich ein Selbst-Lektorat. Sowohl Selfpublisher:innen als auch Verlags-Autor:innen profitieren davon, ihr Rohmanuskript selbst zu prüfen. Und dann noch einmal. Und noch einmal.
Ein eigenes Lektorat bringt Autor:innen voran, weil sie:
- einen neuen Blick auf das Manuskript und das Schreiben bekommen
- im Anschluss Geld beim professionellen Lektorat sparen
- das Beste aus ihrem Manuskript herausholen
Manche Autor:innen freuen sich auf diese wunderbare Phase des Schleifens und Korrigierens, bei der sie ihren Roman aus einem neuen Blickwinkel betrachten können. Für andere ist es ein lästiges Übel. Aber immer ist das Manuskript am Ende besser als nach dem ersten Durchgang.
Oder bist du auf der Suche nach einem Verlag? Auch dann empfiehlt sich ein gründliches eigenes Lektorat, bevor du eine Agentur oder einen Verlag anschreibst. Denn mehrere kritische Durchgänge verbessern die Chancen für dein Manuskript.
Kürzen lernen von Stephen King
In der Regel empfiehlt es sich, einen Roman beim Überarbeiten zu straffen. Lange Erklärungen des Erzählers, ausufernde Vorträge der Figuren, schwerfällige Übergänge und Zwischenszenen? All das kann darauf hinweisen, dass Autor:innen ihren eigenen Schreibkünsten noch nicht voll vertrauen.
Eine gute Geschichte spricht für sich – immer. Stephen King folgt darum der eisernen Regel, das Manuskript bei der ersten Überarbeitung um 10 Prozent zu kürzen.2
Der richtige Zeitpunkt für dein Lektorat
Die meisten Autor:innen plädieren dafür, die innere Kritikerin beim Schreiben in der Schublade zu lassen. Hauptsache, schreiben! Die Geschichte zum Leben erwecken! Wer zu früh mit der Überarbeitung beginnt, läuft Gefahr, sich selbst zu zensieren. Statt der inneren Kritikerin landet so auf einmal das Manuskript in der Schublade.
Um möglichst unvoreingenommen am eigenen Roman feilen zu können, empfehle ich allen Autor:innen, nach dem letzten geschriebenen Wort erst einmal in den Urlaub zu fahren – oder zumindest die Beine hochzulegen. Schließlich hast du etwas zu feiern! Dadurch bekommst du den nötigen Abstand vom Manuskript und dem Schreibprozess. Ein, zwei, drei Wochen (oder Monate) später kannst du mit frischem Blick prüfen, ob dein Roman nicht nur konsistent und glaubwürdig ist, sondern dich als Leser:in auch emotional packt!
Lektorieren mit Word
Doppelte Leerzeichen, ein neuer Figurenname, die passenden Anführungszeichen, Füllwörter oder störende Wiederholungen?
Viele Überarbeitungen kannst du am schnellsten mit einem Suchdurchlauf in MS Word erledigen.
Start > Ersetzen
Nach Formatierungen und Zeichen kannst du auch gezielt suchen:
Start > Ersetzen > Erweitern > Format
Nimm deine Überarbeitung im Word-nachverfolgen-Modus vor.
So findest du den Mut,
- einen Absatz zu löschen,
- eine Formulierung anzupassen und
- eine Szene zu verschieben.
Und falls nötig, kannst du deine Überarbeitung jederzeit rückgängig machen.
Beim Lektorieren die Perspektive wechseln
Wenn du dein Manuskript selbst lektorieren möchtest, wechselst du deine Rolle. Du verwandelst dich von der Autorin zur Leserin, vom Autor zum Leser. Dieser Perspektivenwechsel ist nicht immer einfach. Schließlich schleppst du deine Figuren und Plot-Entwürfe schon eine Weile mit dir herum.
Beim Selbst-Lektorat geht es deshalb darum, deine Geschichte in einem neuen Licht zu sehen. Stell dir vor, eine gute Freundin erzählt die den Plot. Eine gute Freundin, bei der du dir allerdings nicht ganz sicher bist, ob sie nicht einiges zur Realität dazudichtet. Trau dich, mit ihr in den Dialog zu gehen:
- Warum ist das passiert? Das ist aber ein seltsamer Zufall!
- Hast du vorher nicht gemeint, es sei Winter? Warum frieren die abends im T-Shirt nie?
- Sei mir nicht böse, aber schweifst du jetzt nicht gerade ziemlich ab? Ich will wissen, wie die Geschichte weitergeht.
- Warum redest du so gestelzt? Das machst du doch sonst nicht.
Zum Perspektivenwechsel gehört es auch, deine Figuren neu kennenzulernen. Hier helfen Fragen ebenfalls weiter:
- Wirkt Anna wirklich so sympathisch, wie ich sie mir am Anfang vorgestellt habe? Oder bleibt sie blass, weil sie nur auf äußere Einflüsse reagiert?
- Braucht es die Rückblende mit der Hintergrundstory von Johannes, wenn er sie später sowieso Anna erzählt?
- Wieso langweilt mich die Parallelstory mit Thea, Lars und Ari so?
6 Profi-TIPPS zum Lektorieren
Fällt es dir schwer, mit Distanz auf deinen Roman zu blicken? Dann versuch diese Tipps:
- Drucke dein Manuskript aus und lies es laut vor. Oder lass es vorlesen, z. B. direkt von MS Word.
- Formatiere dein Manuskript neu, z. B. in einer anderen Schriftart und Schriftgröße.
- Leg ein Lineal unter jede Zeile, die du gerade liest. So zwingst du dich, langsamer zu lesen und dich auf jede Zeile einzeln zu konzentrieren.
- Beginne deinen Korrekturgang am Ende des Manuskripts und arbeite dich von hinten nach vorn.
- Nimm dir für den Anfang immer nur 2 oder 3 Punkte heraus, die du prüfen möchtest (siehe Checkliste). Achte dabei auf eine klare Trennung zwischen inhaltlicher, stilistischer und orthografischer Überarbeitung.
- Nutze Tools wie Duden-Mentor, ChatGPT, Grammarly, Patchwork oder Papyrus Autor. (Mach dir dabei jedoch bewusst, dass jedes dieser Programme fehleranfällig ist und die Wahrnehmung einer echten Leserin oder eines echten Lesers mit seiner Mustererkennung mal besser, mal schlechter nachahmt – nie ersetzt.)
Und wenn du irgendwann nicht mehr weißt, ob du dein Manuskript verschlimmbesserst? Dann hilft der Bonustipp: Bitte die Lektorin deines Vertrauens um ein professionelles Lektorat oder um ein Gutachten. Bei einem Gutachten erfährst du, was du vor der Veröffentlichung noch selbst überarbeiten kannst.
Fahrplan, um dein Manuskript zu lektorieren
Damit du bei deinem Lektorat auf alle Facetten eingehen kannst, brauchst du einen Fahrplan. Denn auch wenn eine Überarbeitung besser ist als keine, empfehlen sich immer mehrere Durchgänge.
Am besten beginnst du mit der großen Malerrolle und arbeitest dich Schritt für Schritt zum feinsten Pinsel vor. Das heißt:

- Plot: Du prüfst den Plot auf seine Prämisse, Logiklücken, Widersprüche, Wiederholungen, Zufälle oder Spannungsabfälle.
- Figuren: Wann agieren deine Figuren unglaubwürdig? Welche wirken flach? Welche Nebenfiguren sind überflüssig?
- Szene: Nun fokussierst du dich auf einzelne Kapitel, Szenen und Absätze. Wo solltest du straffen? Wann läuft ein Dialog ins Leere? Wo musst du den Konflikt schärfen?
- Sprache: Erst danach nimmst du die Satz- und Wortebene in den Blick. Hier werden Wortwiederholungen, Passiv, Zeiten, Stilbrüche, Inquit-Formeln angepasst bzw. getilgt. Wenn du dann noch Puste hast, kannst du dich zum Schluss den ungeliebten Kommas und der richtigen Verwendung von Zeichen zuwenden.
Vielleicht ahnst du langsam, dass ein komplettes Lektorat ziemlich zeitintensiv ausfallen kann. Hemingway, der meinte, der erste Entwurf sei immer »shit«, soll allein den Schluss von In einem anderen Land 39 Mal umgeschrieben haben.3 Und Benedict Wells beschreibt in Die Geschichten in uns4, seinem sehr lesenswerten Buch übers Schreiben, wie er über Jahre an seinen Rohmanuskripten feilt.
Wenn dir der Kopf raucht und du den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr siehst, dann mach Pause. Vielleicht ist jetzt der Zeitpunkt für Probeleser:innen und/oder ein professionelles Lektorat gekommen. Den Input von außen hast du dir verdient!

Täglich grüßt das Murmeltier?
Um beim Lektorieren zum Ende zu kommen,
hilft ein Fahrplan.
Deine Checkliste zum Lektorieren
Beim Selbst-Lektorieren heißt nach dem Manuskript vor dem Manuskript. Immer kannst du noch eine Schleife drehen und einen anderen Aspekt in den Blick nehmen. Aber woher weißt du, wann du alle Punkte abgehandelt hast? Und an welchen Fragen kannst du dich abarbeiten?
Als Leitplanke für dein Selbst-Lektorat habe ich eine Checkliste zusammengestellt. Mit ihrer Hilfe können Selfpublisher:innen und Verlags-Autor:innen ihren Roman für ein professionelles Lektorat oder die Veröffentlichung vorbereiten.

Vom Manuskript zum fertigen Buch:
kein Sprint,
sondern ein Marathon
In der Checkliste findest du 50 Fragen zu:
- Figuren
- Setting & Plot
- Szenen & Dialoge
- Sprache & Perspektive
- Rechtschreibung & Zeichensetzung
Lade dir hier die Checkliste zum (Vor-)Lektorieren kostenlos als PDF herunter.
Viel Glück!
- Vgl. Sol Stein (2010): Über das Schreiben. Frankfurt: Zweitausendeins, S. 417. ↩︎
- Vgl. Stephen King (2011): Das Leben und das Schreiben. München: Heyne, S. 274 f. ↩︎
- Vgl. Sol Stein (2010): Über das Schreiben. Frankfurt: Zweitausendeins, S. 417. ↩︎
- Vgl. Benedict Wells (2024): Die Geschichten in uns. Zürich: Diogenes. ↩︎
Dein Lektorat
Steckst du in deinem Manuskript fest oder möchtest du deinen Text auf Hochglanz polieren lassen? Dann lerne mich näher kennen oder kontaktiere mich direkt für ein kostenloses Probelektorat!