Ein guter Text ist wie eine gute Bluse: Er kleidet deine Gedanken in Worte, gibt ihnen Raum zum Atmen, aber schlägt keine Falten an der falschen Stelle. Ein guter Text sagt nicht zu viel und nicht zu wenig. Er sitzt.
Die Stilkolumne dreht sich heute um ein Thema, das uns allen schon Lebenszeit gekostet hat: Füllwörter. Trotz besseren Wissens schleichen sie sich in jedes Manuskript und bringen die Textnähte zum Bersten. Aber was sind Füllwörter überhaupt und wie erkennen Autor:innen und Selfpublisher:innen sie? Finde hier wichtige Tipps für das Selbst-Lektorat deines Buches.
- Beim Schreiben ist weniger mehr
- Typische Füllwörter: echt, halt, ja, mal
- Selbst-Lektorat: Füllwörter auf dem Prüfstand
- Und alle anderen Füllwörter?
- Fazit: mit weniger Füllwörtern zu besseren Texten
Beim Schreiben ist weniger mehr
Es gibt Situationen, da bedeutet für Autor:innen und Selfpublisher:innen mehr auch mehr. Je mehr Leser:innen dein Roman hat, desto mehr klingelt die Kasse zum Beispiel. In vielerlei Hinsicht gilt beim Schreiben aber das Gegenteil: Weniger ist mehr. Besonders sichtbar wird das bei Füllwörtern. Zeit, dein Manuskript selbst zu lektorieren und ein paar Falten auszubügeln!

Typische Füllwörter: echt, halt, ja, mal …

Wenn wir sprechen, nutzen wir ständig Partikeln. Echt ständig. Besonders wenn du im Roman deine Figuren sprechen lässt, aber auch wenn du einen perspektivisch stark gefärbten Text schreibst, haben sie deshalb ihre Berechtigung. Allerdings nur in Maßen. Je sachlicher oder neutraler ein Text ausfallen soll, desto radikaler solltest du die Abtönungspartikeln und ihre Verwandten streichen. Denn dann werden sie zu Füllwörtern.
Abtönungspartikel
Abtönungspartikeln relativieren, verstärken eine Aussage im Satz oder schränken sie ein. Die Erzählstimme kann mit ihnen zum Beispiel eine Vermutung ausdrücken, etwas einräumen oder auch kategorisch ablehnen. Aber welche Wörter zählen eigentlich zu ihnen? Fällt dir denn ein Beispiel für eine Abtönungspartikel ein? (Tipp: In den letzten beiden Fragen stecken welche.) Immer noch nicht? Na gut, hier kommt eine nicht vollständige Liste:
auch, überhaupt, aber, denn, gar, doch, eben, halt, eh, ruhig, ja, nun, mal, nur, vielleicht, schon, bloß, wohl, eigentlich, schließlich …
Aber Vorsicht: Nicht in jedem Fall sind „nun“, „aber“, „denn“, „bloß“ oder „ruhig“ nur Partikeln. Sie können Sätze auch als Adverbien, Konjunktionen oder Adjektive bereichern. Erkennst du den Unterschied zwischen funktionalem Satzglied und schmückendem Abtönungspartikel? Oft erkennst du Abtönungspartikeln daran, dass du sie streichen kannst, ohne dass eine Information im Satz verloren geht.
| Abtönungspartikel | Kein Abtönungspartikel |
| Das hast du aber Pech gehabt. | Ich wollte heute mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, aber es regnete. |
| Geh ruhig vor, ich komme nach. | Ich bemühe mich, ruhig zu atmen. |
| Hast du nun endlich genug? | Vorher habe ich die Wäsche aufgehängt, nun mache ich den Abwasch. |
Gradpartikel und Fokuspartikel
Neben den Abtönungspartikeln gibt es noch weitere Partikelarten. Für Autor:innen relevant sind vor allem die Gradpartikeln (Intensitätpartikeln, Steigerungspartikeln) und die Fokuspartikeln. Sie alle haben gemein, dass sie bis auf wenige Ausnahmen nicht flektierbar sind und man sie nicht mit den typischen W-Fragen erfragen kann. Im Gegensatz zu Adverbien sind sie keine Satzglieder, du kannst sie also auch nicht nach Lust und Laune umstellen.
Die häufigsten Füllwörter
Keine Angst, das war es schon mit der trockenen Theorie. Die folgende Übersicht kannst du nutzen, um die Füllwörter in deinem Manuskript aufzuspüren:
| Abtönungspartikel (Modalpartikel) | Intensitätspartikel (Steigerungspartikel, Gradpartikel) | Fokuspartikel | |
| Funktion | färbt einen Text subjektiv ein, drückt z. B. Überraschung oder Resignation aus | drückt die Intensität des Gesagten aus | schließt Alternativen aus oder explizit ein |
| Beispielwörter | überhaupt, aber, denn, gar, doch, eben, halt, eh, ruhig, ja, nur, mal, schon, vielleicht, schon, wohl, eigentlich, schließlich … | sehr, etwas, ziemlich, echt, recht, überaus, zu, fast, ganz, wenig, höchst, einigermaßen … | allein, bloß, nur, sogar, ausgerechnet, besonders, einzig, auch, selbst, rein … |
| Beispielsatz | „Das ist doch nicht möglich.“ | „Du bist sehr schön.“ | „Das kann auch nur dir passieren.“ |
Wenn du die verschiedenen Partikelarten nicht voneinander abgrenzen kannst, macht das gar nichts. Denn für alle gilt: Weniger ist mehr!
Möchtest du mehr über Partikeln und ihre grammatische Funktion lesen? Dann wirf einen Blick in den Grammatik-Duden: Dudenredaktion (Hrsg.) (2009): Die Grammatik: Unentbehrlich für richtiges Deutsch: Band 4 (Duden – Deutsche Sprache in 12 Bänden). Berlin: Dudenverlag, S. 588 ff.
Selbst-Lektorat: Füllwörter auf dem Prüfstand
Füllwörter löschen & Partikeln bewusst platzieren
Weißt du bereits, welche Füllwörter du beim Schreiben im Übermaß verwendest? Wunderbar, dann kannst du sie zukünftig einfach weglassen. Die meisten Autor:innen hadern jedoch damit, welche Partikeln den Textfluss unterstützen und welche ihnen im Weg stehen.
Wenn du dir nicht sicher bist, welche Wörter Füllwörter sind, empfehle ich dir, während des Schreibens erst einmal gar nichts zu ändern. Um den inneren Kritiker nicht zu früh auf deinen Schreibtisch zu locken, solltest du nicht zu früh in deinen Schreibfluss eingreifen. Spare dir das Nörgeln, Streichen und Lektorieren für den zweiten, dritten oder vierten Durchgang. Beim ersten Entwurf dürfen alle Füllwörter und Partikeln aufs Papier purzeln.
Du brauchst einen Tipp, wie du den inneren Nörgler beim Schreiben loswirst? Dann schau hier!
Erst wenn die Kapitel geschrieben sind und alle Szenen an der richtigen Stelle stehen, deine Figuren rund sind oder deine Argumentation im Sachbuch schlüssig, geht es den Partikeln an den Kragen. Setz dich für dein eigenes Lektorat am besten mit der Tabelle oben an deinen Text und beginne mit dem Streichen. Wie viele dürfen bleiben? Weniger, als du auf den ersten Blick glaubst. Denn in der Regel treffen Patikeln keine eigene Aussage. Streicht man sie, ändert sich der Sinngehalt eines Satzes nicht. Sehen wir uns dazu Beispiele aus einem Sachbuch und Roman an.
Füllwörter im Sachbuch & Ratgeber
Je fachlicher oder nüchterner dein Buch ausfallen soll, desto weniger Partikeln verträgt es. Oder glaubst du, deine Leser:innen nehmen dich als Expert:in eines Themas wahr, wenn dein Text vor Relativierungen und persönlichen Färbungen strotzt? Nehmen wir ein einfaches Beispiel:
Dieses Vorgehen hat ziemlich viele Vorteile.
Was bedeutet ziemlich viele? Weniger als wirklich viele, mittelviele, ein paar viele? Drei, vier, fünf viele? Oder steht „ziemlich“ nur da, weil du eigentlich keinen blassen Schimmer hast, wie viele Vorteile es wirklich gibt? Zum Glück lässt sich das Problem in diesem Fall schnell beheben:
Dieses Vorgehen hat viele Vorteile.
Oder noch konsequenter:
Dieses Vorgehen hat Vorteile. // Dieses Vorgehen hat drei Vorteile.
Auch beim Argumentieren solltest du Partikeln nur sehr gezielt einsetzen. Oft überdecken sie nämlich, wo ein Beleg fehlt.
Das Argument ist halt Unsinn. Vielmehr muss man natürlich davon ausgehen, dass …
Warum ergibt das Argument keinen Sinn? Wer ist „man“? Und wieso ist die eigene Haltung so selbstverständlich? In Fällen wie diesen sollen Partikeln im Sachbuch oft darüber hinwegtäuschen, dass die Basis fehlt: saubere Recherche, kluge Argumente, genaue Sprache. Darum empfehle ich allen Autor:innen, sie in ihrem Selbst-Lektorat zunächst radikal zu streichen. Hält das Argument auch ohne stand? Wunderbar, dann braucht es das Füllwort vielleicht gar nicht. Hält das Argument ohne Partikel nicht stand? Dann braucht es eventuell mehr, als eine Partikel leisten kann.
Trotzdem kenne ich kein Buch und keinen Artikel, der ganz ohne Partikeln auskommt. Partikeln können einen Text fein kalibrieren und Akzente setzen: „äußerst unwahrscheinlich“ ist unwahrscheinlicher als „unwahrscheinlich“. Und ein „sehr guter Kaffee“ schlägt einen „guten Kaffee“ um Längen. Hinzu kommt, dass es auch Mischformen in der Textgattung gibt. Wenn du zum Beispiel in einem Ratgeber deine eigene Geschichte erzählst oder in das Sachbuch persönliche Anekdoten einwebst, können Abtönungspartikeln und Gradpartikeln einen Mehrwert für deine Leser:innen bieten. Wie der genau aussieht, erfährst du im nächsten Kapitel.

Partikeln sind das Salz in der Suppe.
Zu viele davon und der Text wird ungenießbar.
Füllwörter im Roman & Kinderbuch
Um zu entscheiden, welche Partikel im Roman und Kinderbuch nichts zu suchen hat, sollten Autor:innen genau prüfen, welche Funktion das Wörtchen erfüllt. Denn Abtönungspartikeln, Fokuspartikeln und Gradpartikeln sind eng mit der Perspektive verknüpft.
Arbeitest du mit einem neutralen Erzähler, brauchst du nur wenige davon. Vertrau auf eine klare Sprache, auf lebendige Bilder und starke Verben. Oder welche der zwei Szenen wirkt stärker auf dich?
| Mit Füllwörtern | Ohne Füllwörter |
| Die Sonne brannte halt mal wieder. Sie trocknete einfach die Erde aus, entzog den Bäumen fast all ihre Säfte und raubte sogar den Tieren den Willen zu leben. Allein Mascha öffnete die Augen. | Die Sonne brannte. Sie trocknete die Erde aus, entzog den Bäumen ihre Säfte und raubte den Tieren den Willen zu leben. Mascha öffnete die Augen. |
Erzählperspektive
Wanja stampft aus dem Zimmer. Ihr Bruder soll sehen, wie er ohne sie klarkommt
Abtönungpartikeln, Gradpartikeln usw. dienen als Marker für die Erzählperspektive. Durch fehlende Abtönungspartikeln kann der Text darum perspektivisch hölzern wirken. Man könnte auch sagen: langweilig. Im Beispiel oben fasst ein allwissender Erzähler Wanjas Intention nüchtern zusammen. Besonders für ein Kinderbuch ist das wenig reizvoll. Wie sieht die Textstelle aus, wenn eine Abtönungspartikel die Stelle schmückt?
Wanja stampft aus dem Zimmer. Soll ihr Bruder doch sehen, wie er ohne sie klarkommt.
Ein kleines Wort genügt, damit wir Wanjas Perspektive folgen. Wir hören, dass sie schmollt, und können ihre Emotion nachfühlen. Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Wird das Stilmittel zu häufig eingesetzt, verliert es schnell seine Wirkung – oder kehrt sich ins Gegenteil.
Dann stampft Wanja eben aus dem Zimmer. Soll ihr Bruder doch ruhig sehen, wie er denn mal ohne sie klarkommt.
Diese Variante wirkt schwerfällig. Als Leser:innen fühlen wir weniger mit Wanja und ihre Reaktion wirkt trotzig und übertrieben. Auch das kann man als Stilmittel natürlich bewusst an der ein oder anderen Stelle einsetzen, allerdings gut dosiert. Wirkt der Text anstrengend, überträgt sich das zwangsläufig auf die Figur, aus deren Perspektive wir ihn lesen.
Direkte Rede
Da wir besonders beim Sprechen regelmäßig Partikeln nutzen, sind sie ein natürlicher Begleiter für die direkte Rede in Romanen. Doch auch hier ist weniger mehr, wie das folgende Beispiel zeigt:
„Was ist das denn? Warum hat er das bloß gemacht? Das ist ja echt ein ziemlich dickes Ding. Beim nächsten Mal sollte er vielleicht halt mal etwas besser aufpassen.“
Die Partikeln sorgen dafür, dass wir als Leser:innen merken, dass die Person entrüstet ist. Aber für so wenig Mehrwert, ist man ziemlich lange mit Lesen beschäftigt. 😊 Sehen wir uns die Sätze nach dem ersten Lektorat an:
„Was ist das? Warum hat er das gemacht? Das ist ein dickes Ding. Beim nächsten Mal sollte er besser aufpassen.“
Nicht überzeugt? Ich auch nicht. Autor:innen setzen Füllwörter oft unbewusst, wenn sie spüren, dass den Sätzen etwas fehlt. Aber genauso oft liegt der Hund an einem ganz anderen Ort begraben – in diesem Fall bei der eintönigen und redundanten Struktur der direkten Rede. Was hältst du bei deinem Selbst-Lektorat von dieser dritten Version?
„Was soll das? Warum hat er das gemacht? Noch mal so ein Ding und er ist raus.“
Bei dieser Variante habe ich die Aussage deutlich gestrafft und mit Inhalt gefüllt. Sie kommt ohne die Flut an Füllwörtern aus und trotzdem verstehen wir als Leser:innen die Tragweite der Aktion. Im Optimalfall zeigt uns der Erzähler zusätzlich an einer Handlung, wie aufgebracht die sprechende Person ist (Show, don’t tell).
Lisas Nase wurde so weiß wie das Blatt Papier in ihrer Hand: „Was soll das? Warum hat er das gemacht? Noch einmal so ein Ding und er ist raus.“
Und alle anderen Füllwörter?
Nicht jedes Füllwort zählt zu den Partikeln. Auch Substantivierungen, Passivkonstruktionen und Adverbien können einen Text träge machen oder unangenehm aufblähen. Manchmal gibt es sogar Füllphrasen, Füllsätze und Füllkapitel.
Vielfach steckt dahinter der Wunsch, seinem Buch einen professionellen Anstrich zu geben: endlich so klingen wie Thomas Mann, einmal ein Buch schreiben, bei dem der frühere Philosophieprofessor vor Neid erblasst, den ersten Harry-Potter-Roman in der Länge schlagen. Doch Leser:innen danken Autor:innen diesen Ehrgeiz nicht. Im Gegenteil: Sie strafen sie mit negativen Rezensionen, weil das Buch sie wertvolle Lebenszeit gekostet hat. Einfachheit ist Trumpf!
Werfen wir einen Blick auf diesen Nebensatz:
Er dankte ihm für die Hilfe, die er ihm gegeben hatte.
Ein klarer Satz, keine Wiederholungen, keine Partikeln. Mit 11 Wörtern ist er auch nicht zu lang. Aber welchen Mehrwert hat der Nebensatz gegenüber der kürzeren Version?
Er dankte ihm für seine Unterstützung.
Keinen. Entscheide dich bei deinem Selbst-Lektorat im Zweifel darum immer für die präziseste, einfachste und kürzeste Formulierung. Deine Leser:innen werden es dir danken.
Adjektive: Könige im Reich der Redundanz
Vielleicht hast du bemerkt, dass eine Wortart bei den Füllwörtern bisher noch gar nicht zur Sprache gekommen ist. Adjektive. Inflationär gebraucht, können sie einen Text unlesbar machen. Und trotzdem scheinen sie Autor:innen magisch anzuziehen. Wie kannst du während deines Lektorats entscheiden, welche Adjektive für die Tonne sind und welche deine Welt zum Funkeln bringen?
Adjektive sind Könige der Redundanz. Viele können ersatzlos gestrichen werden, ohne dass den Leser:innen etwas fehlt. Mach die Probe aufs Exempel und lösche mit dem Änderungen-nachverfolgen-Modus alle Adjektive in einem Absatz. Anschließend kannst du vergleichen: Fehlt eine wichtige Information? Nein? Dann handelt es sich bei den Adjektiven mit hoher Wahrscheinlichkeit um Füllwörter. Lass sie weg. Falls aber Informationen fehlen, hast du verschiedene Möglichkeiten. Du kannst als Lektor:in deines eigenen Manuskripts so vorgehen:

- Falls möglich, streiche das Adjektiv ersatzlos.
Die edel wirkende Krone glänzt. –> Die Krone glänzt. (Eine Krone zeichnet sich dadurch aus, dass sie edel wirken soll. Ein Adjektiv wäre nur dann nötig, wenn die Krone mit dieser Erwartung bricht.) - Versuche das Adjektiv durch ein sprechenderes Verb zu ersetzen.
Der stolze Hirsch lief durch den Wald. –> Der Hirsch stolzierte durch den Wald. - Wenn das nicht möglich ist, kannst du das Adjektiv durch eine originellere und genauere Beschreibung ersetzen. Das kann, muss aber nicht ein anderes Adjektiv sein.
Es ist Mai. Das hellgrüne Gras im Frühling riecht gut. –> Es ist Mai. Das Gras riecht nach Frühling. - Wenn alle drei Punkte nicht infrage kommen, war das ursprüngliche Adjektiv wahrscheinlich perfekt und du kannst es wieder einsetzen. Dieser Fall tritt allerdings sehr viel seltener auf, als Autor:innen denken.
Pleonasmus: unnötig ohne Sinn
Besondere Vorsicht ist bei Pleonasmen wie „weißer Schimmel“ geboten. Da die rhetorische Figur sinngleiche oder sinnähnliche Wörter (weiß/Schimmel) miteinander verbindet, hat die Beschreibung keinen Informationsgewinn. Schimmel sind immer weiß, Kreise immer rund und Mädchen immer jung. Damit ist ein Pleonasmus ein Musterbeispiel für redundante Adjektive. Wenn du einen einsetzt, dann nur gezielt als Stilmittel.

Beispiele für einen Pleonasmus
• schwieriges Problem, logische Ableitung, schlimme Katastrophe, persönliche Meinung, frohes Fest
• warme Sonne, kühles Eis
• weißer Schimmel, grünes Gras, rote Beere, gelbe Sonnenblume, dunkle Nacht
• runder Kreis, weites Meer, steile Klippe, harter Stein, weiche Watte
• kleines Mädchen, alter Greis, junges Baby, großer Riese, tote Leiche, weibliche Teilnehmerin
• laut rufen, leise flüstern, traurig schluchzen, schnell rennen, froh jubeln
Bist du dir nicht sicher bist, ob ein Pleonasmus vorliegt, frag bei deinem Lektorat nach dem Gegenteil: Gibt es eine kühle Sonne, weiche Steine oder kann man traurig jubeln? In der Regel nicht? Dann handelt es sich um ein Füllwort und du kannst das Adjektiv guten Gewissens streichen.
Natürlich gibt es noch andere Fälle, in denen du Adjektive streichen solltest. Dieser Frage widme ich mich aber in der nächsten Stilkolumne.
Pleonasmen gibt es auch bei anderen Wortarten. „Gesichtsmimik“ (= Mimik) ist so redundant wie „Außenfassade“ (= Fassade oder Außenwand), „PIN-Nummer“ (= PIN) oder „zusammenaddieren“ (= addieren). Auch hier ist darum weniger mehr.
Fazit: mit weniger Füllwörtern zu besseren Texten
Füllwörter kommen in unterschiedlichem Gewand daher – und in jeder Wortart. Besonders bei Partikeln und Adjektiven solltest du aber genau hinsehen, ob sie eine echte Funktion haben oder dein Manuskript unnötig aufblähen. Als Lektorin stelle ich immer wieder fest, dass fast alle Autor:innen Lieblings-Füllwörter haben. Ob du deinen eigenen Argumenten nicht traust und in deinem Ratgeber häufig „vielleicht“ einbaust oder du im Roman mit „ganz“ oder „sehr“ unbewusst fehlende emotionale Höhepunkte auszugleichen versuchst: In einem Selbst-Lektorat kannst du Textschwächen mit Füllwörtern systematisch aufspüren und loswerden. Auch ich durfte übrigens mehrere Partikeln beim Lektorat dieses Artikels löschen. 🙂
Jetzt bist du dran! Geh dein Manuskript durch und markiere alle Füllwörter. Welche sind zum Textverständnis oder für die Erzählperspektive wichtig? Für welche gibt es eine bessere Alternative? Welche können ganz entfallen?
Dein Lektorat
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