5 Gründe, warum es sich für jede:n lohnt, eine Autobiografie zu schreiben

Film-Projektor Autobiografie schreiben

Hemingway hat es getan, genau wie Goethe, Virgina Woolf, Mark Twain, James Joyce, Günter Grass, Thomas Bernhard und Stephen King – viele der großen Autor:innen haben ihr Leben für die Nachwelt in Buchform festgehalten. Mal schlicht als bruchstückhafte Erinnerungen, mal literarisch stark verfremdet, mal als Lebensepos, mal in witzigen Anekdoten.

Aber nicht nur Literat:innen schreiben autobiografisch. Berühmte und gänzlich unbekannte Menschen gewähren uns in Büchern ebenfalls immer wieder Einblicke in ihr Leben. Und das aus gutem Grund. Hier sind 5 Gründe, warum es sich auch für dich lohnt, autobiografisch zu schreiben.

  1. Jede Lebensgeschichte ist es wert, erzählt zu werden
  2. Autobiografisch schreiben wirkt therapeutisch
  3. Autobiografisch schreiben verbindet
  4. Autobiografisch schreiben macht Spaß
  5. Es ist ein unvergleichliches Gefühl, das eigene Buch in den Händen zu halten

1.  Jede Lebensgeschichte ist es wert, erzählt zu werden

Die meisten von uns werden weder Bundeskanzlerin noch bauen sie ein Tech-Imperium im Silicon Valley auf. Keine:r von uns rettet im Alleingang die Welt, die wenigsten gewinnen Wimbledon und die meisten von uns haben nicht einmal ein ausgefallenes Hobby.

Vergangenheiten sind dir eingepflanzt, um sich aus dir, wie Gärten, zu erheben.

Rainer Maria Rilke

Warum also überhaupt autobiografisch schreiben? Sollten Memoiren nicht Berühmtheiten vorbehalten bleiben? Und sind Geschichten, die Normalsterbliche erleben, nicht Papierverschwendung?

Nein, denn jedes Leben ist es wert, erzählt zu werden. Und die großen reißerischen Erzählungen – vom Tellerwäscher zum Millionär – sind ohnehin längst zum Klischee geworden. Möchten wir sie wirklich noch lesen?

  • wieso jemand, der in der Jugend nie einen Ton getroffen hat, in der Rente plötzlich in drei Chören singt.
  • wie eine junge Frau endlich die Scham aus dem Elternhaus loswird und bei ihrem Kind versucht, alles anders zu machen.
  • warum ein ehrgeiziger Typ seine Karriere an den Nagel gehängt hat, um wieder mehr im Garten zu arbeiten.

2.  Autobiografisch schreiben wirkt therapeutisch

Hast du schon einmal Tagebuch geschrieben? Dann weißt du, wie gut es tut, sich den Frust, die Zweifel oder Ängste von der Seele zu schreiben. Moderne therapeutische Ansätze kennen die heilsame Wirkung des Schreibens und setzen beispielsweise das Schreiben von Briefen ein. Ein Achtsamkeits- oder Glückstagebuch hilft, wieder die kleinen Dinge des Alltags zu schätzen. Und assoziative, freie Formen können helfen, Unbewusstes und Verdrängtes zum Vorschein zu bringen.

Den roten Faden finden

Autobiografisches Schreiben leistet aber noch mehr. Wenn du ein Buch schreibst, tauchst du während des Schreibprozesses in deine Erinnerungen ein. Du nimmst dein Vergangenheits-Ich unter die Lupe, deckst Zusammenhänge auf. Indem du für deine Autobiografie eine Struktur mit rotem Faden schaffst, lernst du dich kennen.

  • Welche Wendepunkte entdeckst du in deinem Leben?
  • Welche Personen, welche Ereignisse haben dich besonders geprägt?
  • Wie hast du dich weiterentwickelt?
Füller liegt auf handbeschriebenem Papier

Aus der Vogelperspektive heraus legst du die Entwicklung deines erzählten Ichs offen. Beim Schreiben einer konkreten Szene zoomst du hingegen tief in dein früheres Ich hinein. Dieser Perspektivenwechsel hilft dir, Belastendes loszulassen und dich mit Vergangenem im Schreibprozess auszusöhnen. Indem du deine eigene Geschichte schreibst, erlebst du dich aktiv. Du bist nicht mehr Opfer der Umstände, sondern erfährst Selbstwirksamkeit.

Brief an den Vater (Franz Kafka)

»Mein Schreiben handelt von Dir, ich klagte dort ja nur, was ich an Deiner Brust nicht klagen konnte.«

Kafkas Brief an den Vater ist wohl das berühmteste literarische Beispiel, in dem ein Autor sich in Briefform schonungslos mit der eigenen Vergangenheit und Psyche auseinandersetzt. Der Brief besteht aus 103 handschriftlichen Seiten. Kafka hat ihn nie abgeschickt.

3.  Autobiografisch schreiben verbindet

Bücher verbinden Zeiten, Kulturen, Menschen.

  • Autobiografien sind Zeugnisse ihrer Zeit. Wir erfahren, welche Sorgen und Nöte die Menschen vor uns hatten, welche Hoffnungen und Träume sie hegten und wie ihr Alltag aussah.
  • Wir lernen, wie Menschen in anderen Ländern, mit anderen Bildungsbiografien, Familien und kulturellem Hintergrund leben. Diese Vielfalt öffnet den Blick dafür, was uns besonders macht – und was uns eint.
  • Gerade in einer Zeit, in der nur noch die extremen Pole Gehör zu bekommen scheinen, ist es von unschätzbarem Wert, die Perspektive zu wechseln. Kein Mensch ist eine Insel. Wenn wir autobiografisch schreiben, merken wir, wie eng wir mit den Menschen um uns verwoben sind.

(Auto-)Biografische Bücher wie „Become“ von Michelle Obama, „Just Kids“ von Patti Smith oder „Wüstenblume“ von Waris Dieri sind auch deshalb so beliebt, weil sie uns inspirieren, unseren eigenen Weg zu gehen. Ob du deine Autobiografie nur für deine Familie und die nachfolgenden Generationen schreibst oder sie veröffentlichst: Du ermöglichst anderen damit, von deinen Erfahrungen zu lernen.

Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes.

John Donne

4.  Autobiografisch schreiben macht Spaß

Viele der Autor:innen, die ich begleite, haben in der Schule unangenehme Erfahrungen mit dem Schreiben gemacht. Ganze Generationen von Schüler:innen wurden mit Diktaten gequält, von Deutschlehrer:innen wegen einer Kommaschwäche bloßgestellt und mit abgehobenen Themen für Aufsätze gelangweilt. Kein Wunder, dass die Angst vor dem leeren Blatt Papier so verbreitet ist!

Profitipp

Gönne dir für sprachliche Feinheiten am Ende ein professionelles Lektorat und Korrektorat. So kannst du dich beim Schreiben auf das konzentrieren, was zählt: deine Geschichte.

Dass Geschichtenerzählen auch Spaß machen kann, müssen viele deshalb erst wieder lernen. Beim Schreiben deiner Autobiografie geht es nicht darum, den Duden auswendig zu lernen oder eine gute Note zu bekommen. Dieses Mal bestimmt keine Lektürehilfe das Narrativ, sondern du selbst. Du gibst das Thema vor, das Tempo, erzählst mit deiner eigenen Stimme deine Wahrheit.

5.  Es ist ein unvergleichliches Gefühl, das eigene Buch in den Händen zu halten

Viele Gründe für deine Autobiografie treffen auch auf das Schreiben eines Tagebuchs zu. Und tatsächlich gibt es eindrucksvolle Journale, die in Archiven für die Nachwelt aufbewahrt werden. Man denke nur an das weltberühmte Tagebuch von Anne Frank. Warum also sich die Arbeit machen, alles in Buch-Form zu gießen und zu drucken? Weil es ein unvergleichliches Gefühl ist, das eigene Buch in den Händen zu halten.

Mit der Zeit steht in einem Buch das Zehnfache von dem, was es wirklich gedruckt enthält; ich lese meine eigenen Erinnerungen und Gedanken immer wieder mit.

Rainer Maria Rilke

Viele, die ich als Lektorin beim Entstehungsprozess ihres ersten Buches begleiten durfte, erzählen mir, dass sie eine Träne verdrückten, als sie das allererste Exemplar ihres Buches aus dem Karton schälten. Stolz, Erleichterung, Freude – endlich hält man den Beweis für die eigene Denkarbeit, das Zeugnis seines Lebens in den Händen!

  • Bei manchen stößt die Autobiografie eine Erinnerungskultur in der Familie an, wo lange geschwiegen wurde.
  • Andere sind gerührt, wie viel Zuspruch sie von Fremden erhalten, die über ihr Buch gestolpert sind und ganz ähnliche Geschichten erlebt haben.

Als Autor:in hast du dir jede Seite von deinem Buch erschrieben, erträumt und erkämpft. Fast alles, was wir Tag für Tag erleben, ist flüchtig. Erfolge und Glücksgefühle sind vergänglich, Erinnerungen wandeln sich, Menschen in deinem Leben kommen und gehen. Deine gedruckten Worte aber bleiben.

Alles, was du dafür tun musst, ist anzufangen!

Dein Lektorat

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Veröffentlicht von Caroline Baumer

Als freie Lektorin unterstütze ich dich dabei, deinen Traum vom eigenen Buch wahr zu machen.

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